Künstlergespräch mit Monika Huber. Nicht erst seit ihrer Pensionierung ist Monika Huber kreativ tätig – die Lust am kreativen Gestalten war ihr auch während ihrer Berufszeit als Primarlehrerin wichtig. Welche Ideen sie hat, wo sie Inspiration findet und was sie berührt, ist im Interview zu lesen.



Simone Mayer: Ich tauche ein in Ihre Aquarellbilder und erkenne viel Liebe zum Detail, Farbenfreude, Abwechslung in den gewählten Sujets, Nah- und Fernperspektive… habe ich das richtig zusammengefasst? Wie würden Sie ergänzen?
Monika Huber: Dass Sie das Betrachten als Eintauchen empfinden, ist schön. Genau so geht es mir beim Arbeiten an einem Bild. Ich tauche ein in Erinnerungen, in Farben und Formen, in Stimmungen und erlebte Momente. Und ich tauche auch ein, in den Prozess, dies bildnerisch sichtbar und nachfühlbar zu machen. Das braucht Zeit und mentalen Raum.
Die Sinnlichkeit des Materials wahrnehmen
Was hat Sie zur Malerei gebracht?
Mit der Pensionierung im Jahr 2020 habe ich die Zeit und den inneren Raum gefunden, mich auf das Malen einzulassen. Die Lust am Gestalten war für mich schon in meinem Beruf als Primarlehrerin zentral. Grundsätzlich beim Unterrichtgestalten, aber natürlich vor allem beim Fach Bildnerisches Gestalten. Materialerfahrung, übrigens etwas sehr Sinnliches, genaues Hinschauen und Wahrnehmen, handwerkliche Fertigkeiten sowie Kreativität gehören zu einem Prozess, der Schönes und Interessantes entstehen lässt.
Welche Stilrichtung liegt Ihnen am meisten?
Mit der geschenkten Zeit und Freiheit im neuen Lebensabschnitt wollte ich ganz für mich kreativ sein und malen. Ich wollte das Handwerk des Aquarellierens erlernen und meldete mich bei einem Kurs an. Der Kursleiter Jorge Rodriguez hat mich über viele Monate instruiert und begleitet.
Beim Aquarellieren fasziniert mich, dass Zartheit und Kraft, Licht und Schatten, Transparenz und Klarheit so schön zusammenspielen können. Dass man die Dinge auf verschiedenen Ebenen gleichzeitig sichtbar machen kann. Nehmen wir beispielsweise das Wasser: Wenn sich Himmel und Landschaft darin spiegeln, die Wasseroberfläche durch Lichtreflexe Bewegung zeigt und auch der Untergrund Raum und Tiefe sichtbar macht.
Ausserdem hat das Malen mit Aquarellfarben etwas Schlichtes. Es braucht materialmässig nicht viel. Einen ruhigen, hellen Platz, gutes Papier, verschiedene Pinsel, Farbpigmente und Wasser. Mit diesen Mitteln etwas zu schaffen, das nicht nur abbildet, sondern zum Ausdruck bringt, ist für mich jedes Mal eine Herausforderung. Die Realität einer Baumkrone ist dreidimensional mit unzähligen Blättern und vielen Ästen. Auf dem Blatt ist die Realität Farbflecken, hell/dunkel und Struktur – so gemalt, dass beim Betrachter wieder die Vorstellung der realen Baumkrone erzeugt wird.
Der Schaffensprozess braucht Zeit. Meist habe ich ein Bild während ungefähr eines Monats in Arbeit. Ich lasse mich immer wieder für zwei bis drei Stunden darauf ein und brauche auch immer wieder Abstand, räumlich und zeitlich. So gewinne ich mit jeder Pause auch einen neuen Zugang, eine neue Sicht, neue Energie und neue Ideen für die Umsetzung.


Jahreszeiten inspirieren die Wahrnehmung
Erzählen Sie mir von einem inspirierenden Moment, den Sie während eines kreativen Momentes hatten.
Ich bin sehr gerne in der Natur unterwegs. Dabei entdecke ich viele kleinere und grössere Dinge, die mich staunen lassen. Ich freue mich über die Farben und Struktur einer Mauer, über das Kunstwerk einer einzelnen Blüte, über das Farbenspiel einer Landschaft. Ich versuche dann, die Beobachtungen fotografisch festzuhalten. Manchmal habe ich bereits das Malen im Hinterkopf. Ich trage dann nicht nur einen besonderen Stein oder ein schön gemustertes Schneckenhaus nach Hause, sondern auch immer wieder mögliche Motive für ein Aquarell.
Dabei spielen die Jahreszeiten auch eine wichtige Rolle. Sie begleiten meine Wahrnehmung, aber sie beeinflussen mich auch beim Malen. Im Herbst habe ich besondere Lust auf Herbststimmungen, Herbstfarben und Herbstsujets. Und so geht es mir mit jeder Jahreszeit.
Was möchten Sie mit Ihrem Schaffen zum Ausdruck bringen?
Es hat etwas mit Festhalten, aber auch mit Vertiefen und Nacherleben zu tun. Die Freude und das Staunen zu bewahren. Meiner Freude und meinem Berührtsein mit eigenen Mitteln Ausdruck zu verleihen.
Und wenn dies bei anderen Menschen auch warme Gefühle weckt, wenn das Betrachten Freude, schöne Erinnerungen oder ein entspanntes Verweilen ermöglicht, wäre das ganz wunderbar.
Ich danke Ihnen ganz herzlich. Ihre Antworten lassen mich noch vertiefter Ihre abwechslungsreichen Werke betrachten.
Vernissage in Anwesenheit der Kunstschaffenden
Freitag, 20. Juni 2025 um 17.00 Uhr im Restaurant Teichblick
Apéro für unsere Gäste offeriert
Keine Anmeldung erforderlich

